Rollentausch: Auszubildende werden zu Mentoren für Führungskräfte

In der Regel werden junge Menschen in ihrer Ausbildung geschult und auf das spätere Berufsleben vorbereitet. Bei der BMW Group schlüpfen nun auch die Auszubildenden selbst in die Rolle des Wissensvermittlers. Weil sich selbst gestandene Führungskräfte im Umgang mit digitalen Medien zuweilen etwas schwer tun, unterstützen die jungen sogenannten "Digital Natives" im Rahmen des "Reverse Mentoring"-Programms Führungskräfte bei der Anwendung im Arbeitsalltag durch individuelles Mentoring. Das bis dahin ungenutzte Potenzial vermutete die Abteilung für Weiterbildung bei der Altersgruppe der Auszubildenden. Dies konnten Ausbildungsleitung und Ausbilder nur bestätigen: Tatsächlich bekamen sie bei Fragen zu Handy, Laptop oder iPad die besten Tipps und Tricks von den Auszubildenden.

Mentoring-Programm stößt auf hohe Nachfrage

Dass dieser Bedarf bei Führungskräften auf allen Hierarchieebenen bestand, kristallisierte sich schnell heraus. Nach der Präsentation der Idee des "Reverse Mentoring" auf der firmeninternen Veranstaltung "Digital Days" bekamen die Projektinitiatoren viel positives Feedback und viele Anfragen. Nun steht das Projektteam vor der Herausforderung, das Angebot gut in den Ausbildungsalltag zu integrieren. Hier gab es anfangs Schwierigkeiten, z. B. wenn eine Auszubildende oder ein Auszubildender während der Mentoring-Laufzeit in die Berufsschule musste oder Sommerferien anstanden. Inzwischen gibt es für diese Lücken Vertretungslösungen und das Programm wurde von allen Beteiligten sehr gut angenommen.

Generations- und ressortübergreifende Tandems

Das Angebot konzentriert sich momentan auf drei Themenfelder: mobile Endgeräte, Social Media und Connected Drive, also fahrzeugspezifische Anwendungen. Bei der Zusammenführung von Mentor (Auszubildender) und Mentee (Führungskraft) kommt es zu generations- und ressortübergreifenden Tandems. So erklärt z. B. der KFZ-Mechatronik-Auszubildende der Führungskraft aus dem Management, wie die Technik des Connected Drive in BMWs und MINIs funktioniert. Beim Mentoring geht es aber nicht nur um die Weitergabe von Wissen. Für die Auszubildenden ergibt sich hier die Chance, Kontakte zu knüpfen und ihr berufliches Netzwerk mit Blick auf zukünftige Karrieremöglichkeiten auszubauen.

Um Mentor zu werden, müssen sich die Auszubildenden zuerst beim Programm bewerben. Nach einem Auswahlverfahren durch die Ausbilder, bei dem geprüft wird, wer für das "Reverse Mentoring" geeignet ist, werden die Auszubildenden geschult. Das Schulungsprogramm findet in Kooperation mit der BMW Group Akademie statt. Zudem bieten die verantwortlichen Ausbilder eine begleitende Betreuung an.

Einbindung aller Beteiligten und der Sozialpartner von Beginn an

An der Entwicklung der Projektidee waren neben den Auszubildenden auch die Sozialpartner eingebunden. Zudem sind bei der Projektorganisation die Auszubildenden beteiligt, von der Pflege der internen Onlineplattform bis zur Planung der Termine und dem Einholen des Feedbacks. Auch der Betriebsrat bewertet das Projekt positiv: Die Ausbildung wird im Unternehmen bekannter gemacht und die Auszubildenden bekommen Kontaktmöglichkeiten, die zu ihrer Entwicklung beitragen und aus denen sich Übernahmemöglichkeiten ergeben.