Tradition darf nicht als Starrheit begriffen werden

  • Fällt es traditionsreichen Familienunternehmen schwerer, sich auf Veränderungen wie die Digitalisierung einzustellen und innovative Wege einzuschlagen?

    Per Ledermann: Klar, das ist so, schließlich ist die Kehrseite der Tradition, dass sie nicht nur Stabilität gibt, sondern teilweise auch eine gewisse Starrheit. Wir sind überzeugt, dass es wichtig ist, zu verstehen, was die wirklich (fast) unveränderlichen Teile unserer DNA sind. Für uns sind das unsere kulturellen Kernwerte, aber auch mit unserer Marke agieren wir vorsichtig in der Weiterentwicklung. Wenn wir aber wissen, wo wir (relativ) unbeweglich sind, können wir zum einen diese Starrheit aktiv managen, zum anderen bedeutet das aber auch gleichzeitig, dass alles andere auf den Prüfstand gestellt werden darf und soll. Bei uns gibt es sogar ein Wort dafür: eddipreneurship. Dies steht für den Mut, Dinge neu zu machen, aber eben immer im Rahmen unserer Werte.

  • Kleine und mittelständische Unternehmen definieren sich häufig über eine große Identifikation der Belegschaft mit dem Unternehmen. Wie bindet man die Mitarbeitenden aktiv in den von der Digitalisierung getriebenen Veränderungsprozess ein?

    Per Ledermann: Ja, bei uns haben auch die Mitarbeiter „edding-Tinte“ im Blut. Im Veränderungsprozess ist es daher besonders wichtig unsere Werte authenticity, empowerment und truly caring aktiv vorzuleben. Das bedeutet zum einen sehr transparente sowie ehrliche Kommunikation und zwar auch in Bezug auf harte Wahrheiten (z. B. in "Meet & Greet"-Runden oder unserem Social Intranet, aber auch in Einzelgesprächen). Zum anderen bedeutet Empowerment, Verantwortung zu übertragen, da gerade bei Digitalisierungsthemen die Kompetenz nicht unbedingt im Topmanagement liegt. Und schließlich "Truly Caring" – wir versuchen alle, die wollen, durch die Veränderung mitzunehmen.

  • Die zunehmende Digitalisierung zwingt viele Unternehmen neue Marktsegmente zu erschließen. Wie lässt sich eine Orientierung am Markenkern des Unternehmens erhalten?

    Per Ledermann: Auch hier gilt: der Kern unserer Arbeit liegt darin, zu verstehen, was dieser Markenkern ist. Denn der entsteht ja nicht in unseren "Brand Strategy"-Präsentationen, sondern im Kopf und Herzen des Konsumenten. Von daher werden wir auch nie aufhören, mehr über unsere eigene Marke zu lernen. Den aktuellen Lernstand wenden wir dann auf Ideen für neue Marktsegmente an.

    Wenn Konsumenten über uns sprechen, reden sie selten über Produkte als viel mehr über Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Produkt. Es geht fast immer darum, sich auszudrücken, in welcher Form auch immer. Daher suchen wir auch sehr gezielt nach neuen Segmenten, die sich immer nah am Markenkern "Ausdruckskraft" orientieren. Das können dann beispielsweise neue Marker für die Dekoration von Porzellan sein, Nagellack aber auch unsere Compact Printer, Industriedrucker, die in gewohnter Qualität Informationen sicher auf Oberflächen unterschiedlichster Art bringen und – Stichwort Digitalisierung – die auch voll systemisch eingebunden sind in ein "Industrie 4.0"-Umfeld.