Selbstorganisiertes Arbeiten – der Experimentierraum von Summer&Co

Alle sind gleichberechtigt: Die Beschäftigten von Summer&Co gestalten ihre Arbeit selbst

Als „VUKA“ beschreiben Organisationsforscher und Agile Coaches unsere heutige Gesellschaft: volatil, ungewiss, komplex und ambivalent. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen feststellen, dass sie mit den althergebrachten Methoden von Führung und Zusammenarbeit an ihre Grenzen stoßen. Denn die Digitalisierung verlangt zunehmend schnelle, kundenzentrierte und agile Lösungen, interdisziplinäres Arbeiten wird essenziell. So auch bei der Unternehmensberatung Summer&Co in Berlin, die seit ihrer Gründung 2014 ihre Arbeit ohne klassische Hierarchien gestaltet. Vielmehr basieren alle Arbeitsprozesse auf dem Prinzip der Selbstorganisation: Jede und jeder soll sich nach seinen Fähigkeiten und Vorstellungen einbringen und mitbestimmen können – und sich so individuell entwickeln und zugleich zum Wohl der Firma beitragen.

Kreis-Leads werden von den Mitarbeitenden gewählt

Wie das konkret geht? Durch eine Kultur des Zutrauens und Vertrauens. Die Unternehmensberatung verzichtet auf Abteilungen und klassische Führungskräfte und organisiert die Arbeit stattdessen in Rollen und Kreisen (mehrere thematisch verknüpfte Rollen). Jede Rolle und jeder Kreis haben einen definierten Zweck, zugewiesene Aufgaben und einen festen Verantwortungsbereich. Eine Person kann mehrere Rollen einnehmen und in verschiedenen Kreisen tätig sein. Es gibt einen Kreis für Marketing, Personal, Finanzen und Vertrieb sowie den Gesellschafterkreis und den Beirat. Die koordinierende Führungsrolle eines Kreises (Kreis-Lead) wird einmal jährlich vom gesamten Team gewählt. Dabei gilt die Devise: Kompetenz kommt vor Status. Jede und jeder kann zum Kreis-Lead werden. Es zählt allein die Frage: Wem trauen die Kolleginnen und Kollegen zu, die Rolle gut auszufüllen? Auch die Person für die Rolle Unternehmensführung wird für ein Jahr gewählt. Zentrale Entscheidungen treffen alle Beschäftigten im Firmenkreis, dem Summer-Kreis: Wen stellen wir ein? Wie positionieren wir uns als Unternehmen? Welche Rollen brauchen die Kreise? Wo soll das nächste Summer&Kids Camp stattfinden?

Das beste Argument gewinnt: Im Konsent zu Lösungen kommen

Für viele Entscheidungen gilt: Sie werden im Konsent getroffen. Das heißt, weder die Mehrheit gewinnt noch der Konsens, auf den sich alle nach mühsamen Diskussionen einigen können, sondern das beste Argument. Bei einer Konsent-Entscheidung bringt eine Kollegin oder ein einen Vorschlag ein. Dieser gilt so lange, bis jemand einen schwerwiegenden Einwand, also ein potenzielles Veto, vorbringt. Ziel ist dabei nicht, eine Entscheidung zu blockieren, sondern sie zu verbessern. Einwände werden als hilfreich angesehen und sollen in den Vorschlag eingearbeitet werden. Der Vorteil dieser Methode: Lösungen werden schneller gefunden, die Rolle der Beschäftigten wird gestärkt, weil es Raum für ihre Ideen gibt. Gleichzeitig war es eine wichtige Erkenntnis für die Organisation, dass es auch Bereiche braucht, die nicht mit allen abgestimmt werden müssen. Daher können beispielsweise die Kreis-Leads in einem bestimmten Rahmen mit einem konsultativen Einzelentscheid entscheiden. In diesem Prinzip gilt es, zuvor Betroffene sowie Expertinnen und Experten zu befragen und auf Basis des Gehörten eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Miteinander sprechen: Feedback als Entwicklungsfeld

Damit die selbstorganisierte Arbeit funktioniert, sind Transparenz und Kommunikation, aber auch Reflektion und Nachsteuerung unerlässlich. So blickt der Summer-Kreis zum Ende jeder Woche nach einem festgelegten Meetingablauf auf die anstehende Arbeit und die zu besprechenden Themen. In der sechswöchentlichen Governance-Runde geht es um strukturelle Fragen zur Organisation: Welche Rollen müssen beispielsweise neu geschaffen oder anders besetzt werden? In der Feedbackrunde alle vier Monate steht das persönliche Feedback aller Organisationsmitglieder im Fokus. Hier reflektiert jede und jeder seine vergangenen vier Monate hinsichtlich der eigenen Entwicklung, Herausforderungen und Erfolge. Anschließend gibt es für jede Person eine Runde Feedback von allen: Jeder und jede sagt einen Satz, was ihm oder ihr an der Person gefällt und was er oder sie sich von oder für die Person wünscht. Am Ende ist Zeit für weitere stimmungsbezogene Themen, die die Beschäftigten ansprechen möchten. Weiteres Feedback erhält die Organisation über die jährliche Mitarbeiterbefragung, die ein allgemeines Stimmungsbild wiedergibt. Seit 2019 erfolgt alle zwei Monate eine gekürzte Onlinebefragung, das „Sommerwetter“, um einen kontinuierlicheren Einblick zu bekommen. Darüber hinaus haben jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine Mentorin oder einen Mentor im Unternehmen. Hier können Probleme informell angesprochen sowie regelmäßig die eigenen Rollen und Kompetenzen reflektiert werden.

Durch Feedback hat das Unternehmen beispielsweise lernen müssen, dass selbstorganisierte Kreise nicht ohne Weiteres funktionieren. Die Kolleginnen und Kollegen hatten den Wunsch nach Rollen, die sich koordinierend verantwortlich fühlen und als gewählte Personen Richtungsentscheidungen treffen können – so entstanden die Kreis-Leads und die Rolle Unternehmensführung.

„Workation“: Arbeit und Zusammenwachsen im Summer&Kids Camp

Auch abseits des Arbeitsalltages geht Summer&Co ungewohnte Wege, etwa mit dem jährlichen Summer&Kids Camp, einer Mischung aus Arbeit und Teamevent. Das Besondere daran: Das Camp findet ohne Lebenspartnerinnen und Lebenspartner, dafür aber mit allen Kindern statt. Die gemeinsame Woche ist der Arbeit an internen Themen gewidmet. Welche das sind, entscheiden die Beschäftigten bei der Planung und beim täglichen Stand-up. Das können der Vertrieb oder Unternehmensauftritt sein, strategische Fragen sowie alles, was im Projektalltag oft liegen bleibt. Der Charme des Camps besteht darin, dass sich die Beteiligten nicht nur als Kolleginnen und Kollegen, sondern auch als Erzieherin und Erzieher, Spielpartnerin und Spielpartner, Trösterin und Tröster oder Vorbild erleben. Rollen, die auch diejenigen mit Freude ausfüllen und erproben, die selbst keine Kinder haben. Zudem kann sich das Team von den Kindern daran erinnern lassen, was es heißt, unvoreingenommen an Probleme heranzugehen, Neues auszuprobieren oder eine Jobaufgabe mal sehr einfach auf den Punkt zu bringen. Auch auf dem Camp gilt das Prinzip der Selbstorganisation, zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen oder der Durchführung eines Fußballturniers mit den Kindern.

Am Ende steht das Summer&Kids Camp sinnbildlich dafür, wie die Berliner Unternehmensberatung, deren tägliches Geschäft es ist, ihre Kunden bei der agilen Transformation zu begleiten, auch selbst lebt: mit Mut und Offenheit neue Formen der (Zusammen-)Arbeit aktiv auszuprobieren, aus Erfahrungen Konzepte zu verbessern und dabei den Spaß nie zu kurz kommen zu lassen.