Handwerk 4.0: Digitale Tools erleichtern Arbeitsalltag

Aufmaß, Baustellendokumentation und Formulare – das alles läuft beim Bitburger Unternehmen AGT über digitale Anwendungen. Diese hat der Abgastechnik-Betrieb gemeinsam mit den Beschäftigten und gemäß deren Bedürfnissen im Arbeitsalltag entwickelt. So entstand eine echte Arbeitserleichterung: Mehr Zeit durch weniger Papierkram.

App als individuelles Tool gestalten

Alles begann mit einer Beobachtung der Geschäftsführung: Die schriftliche Kommunikation im Zuge der Baustellendokumentation gehört zwar zur Arbeit der angestellten Monteure, ist diesen im Arbeitsalltag eher ein Dorn im Auge. Einfachere Möglichkeiten der Kommunikation hoffte das Unternehmen im Digitalen zu finden. Für den Geschäftsführer stand von Anfang an fest: Wenn Mitarbeitende nicht in das Projekt eingebunden wären, würden sie es ablehnen. Deshalb fragte er seine Beschäftigten: Was würde euch helfen und den Arbeitsalltag erleichtern? Im Oktober 2017 startete das Projekt „AGTigital“ mit Unterstützung des Förderprogramms unternehmensWert:Mensch plus (uWM: plus). Die AGT GmbH ist nicht nur ein Handwerksbetrieb, sondern auch ein Produktions-, Handels- und Onlinehandelsbetrieb. Diese unterschiedlichen Bereiche auf eine einheitliche digitale Plattform zu stellen, war eine Herausforderung. Zunächst testete das Unternehmen rund 25 bereits erhältliche Apps. Das Problem: Die Anwendungen waren meist mit Funktionen überfrachtet. Zudem ermöglichten sie maximale digitale Kontrolle – von der Arbeitszeiterfassung bis hin zur Ortung. Das kam für AGT nicht infrage. Da es für den Betrieb keine passende Gesamtlösung auf dem Markt gab, gründete es schließlich sein eigenes Lab Team, das sich der Entwicklung annahm.

Lab Team: Bereichsübergreifende Zusammenarbeit

Im Lab Team fanden sich interessierte Beschäftigte aus den Bereichen Administration, Auftragsbearbeitung und Montageleitung zusammen. Für einzelne Themen kamen auch zusätzliche Personen aus der Technik dazu. Zunächst legte das Lab Team grobe Ziele fest. Dann schauten sich die Teammitglieder einzelne Arbeitsschritte an und überlegten, wie diese digitalisiert werden könnten. Innerhalb der Arbeitszeit und vollkommen ergebnisoffen traf sich das Team zunächst täglich und später dann noch alle vier Wochen. Unterstützung kam unter anderem von einem Expertenteam der Universität Trier und externen Programmiererinnen und Programmierern, die die App gemäß den Wünschen des Unternehmens anpassten. Inzwischen ist beispielsweise das Formularwesen vollständig digital hinterlegt. Es fällt zudem weniger Suchaufwand an, da die Ablage dank eines neuen Dokumentenmanagementsystems nun organisierter ist. Für die Baustellendokumentation gibt es eine App, in der Mitarbeitende Fotos und Berichte hochladen sowie Informationen zum Auftrag speichern können. Mithilfe der QR-Codes auf allen Belegen können die Monteurinnen und Monteure unkompliziert darauf zugreifen. Anstelle unzähliger Unterlagen haben sie heute bei ihren Einsätzen nur noch ein Smartphone dabei.

Positivbeispiele dienen der Motivation

Die meisten Mitarbeitenden stehen den Veränderungen offen und positiv gegenüber. Bei der Digitalisierung gab es bewusst keinen Termindruck, was die Umsetzung neben dem regulären Tagesgeschäft entspannt ermöglichte. Schnell spürten die Beschäftigten Arbeitserleichterungen, was sie weiter motivierte. Aus Sicht der Geschäftsführung war die Lernkurve der Mitarbeitenden bei der digitalen Dokumentation am Anfang sehr gut, mit der Zeit wurde das Tool jedoch etwas unregelmäßiger genutzt. Um dem gezielt entgegenzuwirken und andere zur Nutzung zu motivieren, erhalten Beispiele guter Praxis in der wöchentlichen Besprechung ein besonderes Gewicht – mit Erfolg. Derzeit liegt die Quote der digitalisierten Arbeitsschritte im Unternehmen bei rund 80 Prozent. Anhand des Feedbacks der Mitarbeitenden entwickelt das Team die Anwendungen kontinuierlich weiter. Zukünftig soll auch die Vermessung digital möglich und die Zeichnungsfunktion verbessert werden. Als langfristiges Ziel sieht die Geschäftsleitung den Aufbau einer zentralen Steuereinheit, in der alle Anwendungen integriert sind.


Die Arbeit im Handwerk kann nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Herausforderung sein. Schon mit kleinen Maßnahmen können Arbeitgebende das Wohlbefinden ihrer Beschäftigten stärken. Das Projekt Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA) der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unterstützt Unternehmen dabei, ein wirkungsvolles Stress- und Gesundheitsmanagement zu entwickeln. Wie eine gesunde Arbeitsgestaltung im Handwerk aussehen kann, erfahren sie in der psyGA-Handlungshilfe für Handwerksbetriebe (www.psyga.info/handwerk). Weitere hilfreiche Tipps für Bauunternehmen gibt es bei der Offensive Gutes Bauen der INQA: www.offensive-gutes-bauen.de