Nachbericht: Virtueller Roundtable mit Dr. Claudia Niewerth und Jan Balcke

Der Wandel der Arbeitswelt bedeutet nicht nur eine Veränderung inner- und überbetrieblicher Arbeitsstrukturen, sondern betrifft vor allem die individuelle Potenzialentfaltung der Beschäftigten.

Um Herausforderungen zu überwinden und Chancen von New Work nutzen zu können, werden zunehmend gängige Arbeitsstrukturen aufgebrochen. Hierdurch entstehen Grenzverschiebungen innerhalb der Arbeit. Durch neue kooperative Gefüge, die Interessensbereiche des Individuums, der Wirtschaft und Gesellschaft in Ausgleich bringen, werden neue Perspektiven geschaffen. Viele innerbetriebliche Veränderungen wie der Einsatz neuer Technologien oder neue Formen der Arbeitsorganisation sind mitbestimmungspflichtig. Deshalb kommt den Vertreterinnen und Vertretern der betrieblichen Mitbestimmung eine besondere Rolle im Transformationsprozess der Unternehmen zu. 

Kann betriebliche Mitbestimmung zu einer antreibenden Kraft der Veränderung werden sowie Change-Prozesse erleichtern und schlussendlich beschleunigen?

Jan Balcke (Projektleiter „HR 4.0“, Airbus Operations GmbH), zu „Sozialpartnerschaft und betriebliche Partizipation“:

„Mitbestimmung und kontinuierliche, institutionell gesicherte Beteiligungsformen können einen konstruktiven Dialog zwischen Betriebs- und Tarifpartnern begründen. Zudem können diese auf Basis von betrieblichen und tariflichen Regelungen Leitplanken für eine lernförderliche, humanorientierte Gestaltung der digitalen Arbeitswelt greifbar machen. 

Es besteht zudem die Chance, eine Praxis- und Umsetzungskultur zu erreichen, in der neue Beteiligungsformen und Leitungsstrukturen (zum Beispiel bereichsbezogene und selbstorganisierte Ausgestaltung von Arbeitsplatzmodellen in betrieblichen Praxislaboren) gemeinsam entwickelt, gestaltet und erprobt werden können. Die Entwicklung neuer Formen der Beteiligung sowie nachhaltiger, alternativer Gestaltungsansätze sprengt offensichtlich den Rahmen von Standardaufgaben und erfordert zusätzliche Ressourcen. Vor allem aber müssen solche Aktivitäten auf die sichere Basis von Tarifverträgen und betrieblichen Vereinbarungen gestellt werden, die den Beschäftigten verlässliche Rahmenbedingungen und einen fairen Anteil am erwirtschafteten Wohlstand ermöglichen.“

Dr. Claudia Niewerth (geschäftsführende Gesellschafterin des Helex Instituts in Bochum), zu „Sozialpartnerschaft und betriebliche Partizipation“:

„Betriebsräte sind in zweifacher Hinsicht mit Digitalisierung und betrieblicher Transformation konfrontiert. Ihnen kommt auf der einen Seite die Aufgabe zu, den digitalen Umbruch zum Fortbestehen des Unternehmens mitzugestalten und die Wandlung von Arbeitsplätzen mit dem Ziel der Standort- oder Arbeitsplatzsicherung zu vollziehen. Auf der anderen Seite verändert sich die Arbeitsorganisation der Betriebsräte selbst: Während Komplexität und Dichte an Themen ein hohes Fachwissen benötigt, erfordern dynamische Entwicklungen eine potenzielle Beschleunigung der Bearbeitung von Aufgaben und Herbeiführung von Entscheidungen. 

Gleichermaßen gilt es, den Anforderungen an rechtliche Rahmenbedingungen gerecht zu werden und die eigene Rolle als Akteur im stetigen Wandel zwischen Schutz und Gestaltung zu definieren. In dieser „doppelten Transformation“ unterliegen die Betriebsratsgremien selbst einem gewaltigen Umbruchprozess. Die Transformation der eigenen Gremienarbeit stellt einen Paradigmenwechsel in der betrieblichen Mitbestimmungspraxis in Aussicht, dessen Beschaffenheit zukünftiges sozialpartnerschaftliches Handeln neu bestimmen kann.“