Gesellschafterinnen und Gesellschafter statt Angestellte – der Experimentierraum von partnerteams

Firma ohne Firmensitz: Wie partnerteams auf eigenverantwortliche Gesellschafterinnen und Gesellschafter setzt

"Unternehmer im Unternehmen sein" – in vielen Firmen wird dieses Motto beworben. Doch am Ende wiegen Hierarchien und Notwendigkeiten meist schwerer als der von den Beschäftigten eingeforderte Unternehmergeist. Die Macherinnen und Macher der partnerteams GmbH & Co. KG wollten einen anderen Weg gehen und wirklich gleichberechtigt und eigenverantwortlich arbeiten. Deshalb ist bei der zehnköpfigen Unternehmensberatung niemand angestellt, vielmehr sind alle "Beschäftigten" Gesellschafterinnen und Gesellschafter der Firma. Und nicht nur das: Jede und jeder kann seine Arbeit vollkommen frei gestalten und wohnen, wo sie bzw. er möchte, je nach Vorliebe und Lebensphase. partnerteams versteht sich als "atmendes" Unternehmen: So arbeitet eine Beraterin vielleicht ein paar Jahre Vollzeit und wohnt dabei in der Nähe ihrer Eltern, die sich mit um ihre Enkelkinder kümmern können. Ein anderer Berater wiederum reduziert womöglich seine Stunden für eine Zeit, um ein krankes Elternteil zu pflegen. Niemand muss um 9 Uhr im Büro sein und am Schreibtisch sitzen. Eine Firmenzentrale gibt es nicht, die Gesellschafterinnen und Gesellschafter sind über ganz Deutschland verteilt – sei es Tübingen, Potsdam, Bochum, Mannheim oder sonst wo.

Digitale Technologien helfen beim ortsunabhängigen Arbeiten

Möglich ist das durch moderne Technologie und klare Regeln: Der Austausch findet über E-Mail und Skype sowie monatliche Telefonkonferenzen statt. Jedes Mal übernimmt eine andere Person die Moderation sowie eine weitere Person das Protokoll. Internetbasierte Büro-Software ermöglicht, dass Dokumente zentral abgelegt und ortsunabhängig bearbeitet werden können. Viermal im Jahr treffen sich die Beraterinnen und Berater außerdem für zwei Tage persönlich. Diese Treffen sind wichtig, insbesondere für den Teamgeist. Denn die Gesellschafterinnen und Gesellschafter arbeiten grundsätzlich eigenständig, auch wenn sie in regelmäßigem Austausch stehen. Dazu hat jede und jeder die Vollmacht, bei den Kunden autark zu handeln. Darüber hinaus sind die Aufgaben, die im Unternehmen anfallen (z. B. Marketing, Homepage-Betreuung, Datenschutz oder Buchhaltung) intern nach Fähigkeiten und Vorlieben verteilt. Jede und jeder kümmert sich gezielt um ein Thema und bringt sich entsprechend ein.

Gemeinsame Ziele, gemeinsame Verantwortung

Die Aufgabe, neue Kunden für das Unternehmen zu gewinnen, liegt wiederum bei allen Beteiligten. Denn partnerteams ist kein loses Netzwerk, wie immer wieder angenommen wird, sondern ein Unternehmen mit einem gemeinsamen Ziel: mindestens kostendeckend zu arbeiten und weiteren Gewinn zu erwirtschaften, der investiert werden kann, meist in Weiterbildung. Das Firmenbudget wird zusammen geplant, regelmäßig aktualisiert und besprochen. In einer einfachen Tabelle sind die geplanten Posten und aktuellen Ausgaben abgebildet. So wissen alle immer genau über den Umsatz Bescheid. Die Gesellschafterinnen und Gesellschafter können anhand ihrer Lebenssituation und persönlichen Wünsche selbst entscheiden, wie viel Umsatz sie ins Unternehmen einbringen und damit auch, wie viel sie verdienen möchten. Und es funktioniert: Bisher ist das Minimal-Umsatzziel immer erreicht worden.

Gegen alte Rollenmodelle ankämpfen

Doch wie werden wichtige Entscheidungen getroffen, wenn es keine Hierarchien gibt und alle gleichberechtigte Partnerinnen und Partner sind? Tatsächlich hat das Unternehmen eine Geschäftsführerin – jedoch hauptsächlich, weil eine GmbH rechtlich gesehen eine Geschäftsführung benötigt. Allein entscheiden kann diese nicht. Denn der Gesellschaftervertrag legt fest, dass Unternehmensentscheidungen von den Gesellschafterinnen und Gesellschaftern mit Zwei-Drittel-Mehrheit zu treffen sind. Zudem haben sie Vollmacht für alle Belange, die auch die Geschäftsführung hat. Doch trotz jahrelanger Erfahrung kommt auch bei partnerteams das alte Rollenmodell von "Chef und Mitarbeitenden" immer wieder zum Vorschein. Gerade bei unangenehmen oder heiklen Themen wird gern versucht, diese an die Geschäftsführerin abzugeben. Zum Beispiel wenn es darum geht, kritisches Feedback zu geben und Defizite in der Arbeitsweise oder das Nichterreichen gesteckter Ziele anzusprechen. Hier will das Unternehmen noch besser werden, sodass die Gesellschafterinnen und Gesellschafter künftig noch mehr in der Lage sind, auch schwierige Fragen selbstständig zu klären.

Eine Arbeitsweise, die nicht jedem liegt

Dass eine solche Verantwortung nicht allen liegt, das musste auch partnerteams schon feststellen. Dezentral zu arbeiten, sich selbst zu organisieren, kein festes Gehalt zu haben und gleichzeitig teamfähig zu sein, war für manche neue Beraterin oder manchen neuen Berater schwieriger als angenommen. Neue Menschen zu gewinnen, hatte sich die Unternehmensberatung zu Beginn einfacher vorgestellt. Heute setzt die Firma konsequent auf eine Schnupperphase von zwei Jahren: Das erste Jahr dient zur Eingewöhnung. Im zweiten Jahr wird dann deutlich, so die Erfahrung, ob der- oder diejenige für die Arbeitsweise bei partnerteams gemacht ist. Wer dabei bleibt, hat das richtige Maß aus Freiheitsliebe und Verantwortungsbereitschaft – genau das, was das Unternehmen sucht und braucht. Geschadet hat es ihm jedenfalls nicht: Es ist seit mehr als 15 Jahren erfolgreich am Markt mit jeder Menge zufriedener Kundinnen und Kunden.